25:5-Rekordsatz wie im Rausch – Cowboys siegen in Lübeck mit 3:1

Jedes Spiel liefert ja seinen eigenen Erzählstoff für das Bier danach. Im jüngsten Regionalliga-Spiel der Walddörfer SV Cowboys bei der VSG Lübeck bot Sebastian Neufeld eindeutig den besten Spannungsbogen. Vor dem Warmmachen war klar: Der „brutal verspannte“ Nacken würde nicht wie beim Auftaktsieg in Eimsbüttel irgendwelche Angriffsschläge zulassen. „Heute geht nur Zuspiel“, sagte „Seppel“ entschlossen und fügte hinzu: „Kalt darf ich auch nicht werden.“
Soviel kann verraten werden: Kalt wurde es Neufeld an diesem Sonntag nicht. Beim 3:1-Sieg des Aufsteigers in Lübeck avancierte der 38-jährige frühere Erstliga-Regisseur der Ostbek Cowboys zum Matchwinner, wurde verdient „MVP“ seiner Mannschaft. Im dritten Satz blieb er vom 9:3 bis zum 22:3 am Aufschlag, eine einmalige Serie.
Aber der Reihe nach.

Gegen kampfstarke Hausherren kamen die Gäste zunächst überhaupt nicht ins Spiel. Mit Jan Buhrmester und Martin Kauffeldt in der Startsechs, dazu Aimo Heilmann diagonal fanden die Cowboys kein Mittel gegen den Lübecker Block, wirkten zu lethargisch, ohne Fokus. Die Hereinnahme von Hauke Grader und Stephan Tischer – beide mit ihrem Regionalliga-Debüt – vermochte das Spiel zu stabilisieren, das 17:25 aber nicht mehr verhindern. In der Satzpause folgte Kriegsrat. Fragende Blicke richteten sich an Seppel Neufeld. Geht? Der kreiste kurz mit der rechten Schulter. „Geht.“ Und so rückte Neufeld auf diagonal, im Zuspiel löste ihn Rüdiger Barth ab, nun gestaltete sich ein offenes Match mit vielen langen Ballwechseln Auf Seiten der Lübecker wusste das variable Zuspiel und ein gewaltiger Mittelangriff zu begeistern, bei den Cowboys begann der Motor von Punkt zu Punkt höher zu drehen. Am Ende des Satzes genügte eine Energieleistung, um sich abzusetzen: 25:19.

Was dann folgte, das hatten auch die Cowboys in ihrer äonenlangen Karriere – Durchschnittsalter der Erfolgssechs diesmal: 41 Jahre – noch nicht erlebt. „Bei den Volley Tigers Ludwigslust in der 2. Liga haben wir mal einen Satz 25:9 gewonnen, das war 2001, glaube ich“, erinnerte sich Martin Kauffeldt nach dem Match, „das war nicht ganz so krass wie heute, aber auch schön.“ In allen Elementen spielten die Gäste nun ihr bestes Volleyball, während das Lübecker Team in seine Einzelteile auseinanderbrach. Neufelds Aufschlagserie erzwang beim Gegner Fehler auf Fehler, in Block und Abwehr agierten die Cowboys jetzt hellwach. Es folgte bis zum 25:5 einer dieser Spielräusche, in die sich die Cowboys bekanntlich gar nicht so selten steigern, aber nur selten so, nun ja: rauschhaft.

Wer nicht dabei war, mochte es kaum glauben. Aus der Sächsischen Schweiz, seinem Urlaubsort, schickte der mitfiebernde Trainer Jörn Schneider per What’s App einen  Screenshot vom Live-Ticker-Stand „3:20“ und fragte dazu ungläubig: „Ist der Gegner noch da?“ Ja, kurze Zeit später war Lübeck wieder da. Und wehrte sich im vierten Satz erneut nach Leibeskräften. Spektakuläre Abwehr- und Blockaktionen hielten die VSG im Spiel, während die Konzentration der Cowboys erkennbar bröckelte. Aber immer wieder punktete Neufeld am Netz und aus dem Hinterfeld, auch Buhrmester lief in Feldabwehr und Angriff heiß. Wieselflink einmal mehr Libero Hendrik Hofmann, während Michael Kopf in der Annahme herausragte, Patrick Klose im Block zupackte. Ein Block seines Teamkameraden Kauffeldt besiegelte schließlich das finale 26:24 – und damit das umjubelte 3:1 des Neulings.

Mit zwei Siegen aus zwei Auswärtsspielen haben die Schneider-Schützlinge den perfekten Start in die Regionalliga-Saison hingelegt und ihre sensationell anmutende Tabellenführung verteidigt – dabei hatte sich das zum Großteil aus Senioren bestehende Team für seine Rückkehr in die Regionalliga auf ein aufreibendes Ringen um den Klassenerhalt eingestellt. Vom Saisonziel „Entscheidende Siege im Abstiegskampf erringen“ rücken die Cowboys trotzdem auch jetzt nicht ab. Sie wissen längst, was ihnen gut tut. Und das weiß auch der Trainer. Was seine Männer in ihrem Training am Mittwoch erwarte? „Wie immer kicken wir zum Warmwerden alt gegen jung“, vermeldete Jörn Schneider aus der Ferne, „das ist ja mein Erfolgsrezept.“

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